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Aus dem InstitutAusgabe vom 14. Oktober 2026
AI Usecases

Claude Design: Wie aus deiner Marke ein Designsystem wird

Mit Claude Design baust du Folien, Landingpages und One-Pager, die nach deiner Marke aussehen, ohne sie jedes Mal neu zu erklären. Im Umsetzungsworkshop haben wir dafür einmal zwanzig Minuten investiert und danach eine Pizzeria komplett gebrandet.

VON JENNY MILLER·14. OKTOBER 2026·LEKTÜRE 6 MIN.
Claude Design: Ein Designsystem mit Farben, Schriften und Bausteinen wird auf Folien, Landingpage und Speisekarte angewendet

Du kennst das: Du bittest eine KI um eine Präsentation, und sie sieht aus wie jede andere. Also schreibst du dazu, welche Farben, welche Schrift, wie viel Weißraum. Beim nächsten Dokument wieder. Und beim übernächsten wieder. Deine Marke lebt in deinem Kopf, und du tippst sie jedes Mal neu ab.

Claude Design dreht das um. Du erklärst deine Marke genau einmal, als Designsystem, und ab dann sieht alles danach aus: Folien, Landingpages, Flyer, Speisekarten. Du sagst nur noch, was drinstehen soll.

Genau das haben wir im Umsetzungsworkshop mit Lukas Salchner gemacht, Co-Founder und CTO bei thirdmind. Über fünfzig Teilnehmende, fast alle ohne jede Erfahrung mit dem Tool. Drei Stunden später hatte eine fiktive Pizzeria ein eigenes Erscheinungsbild, eine Landingpage, eine druckfähige Speisekarte und einen Mauszeiger in Pizzaform.

Was ist Claude Design?

Claude Design ist ein Werkzeug von Anthropic, mit dem du im Chat visuelle Ergebnisse baust: Prototypen, Präsentationen, Landingpages und One-Pager. Es ist seit April 2026 als Research Preview für die Bezahlpläne von Claude verfügbar und läuft auf Claude Opus 4.7, dem bislang stärksten Bildverständnis-Modell von Anthropic.

Der Kern ist das Designsystem. Darunter versteht man alles, was Claude über deine Marke nicht mehr raten muss: Farbrollen, Schriftgrößen, Abstände, Eckradien und fertige Bausteine wie Buttons, Karten oder Tabellen. Technisch steckt dahinter eine Stylesheet-Datei, die jedes Ergebnis automatisch verwendet.

Zwei Wege im Vergleich

Ohne Designsystem

1/5 vorn

  • Erster Entwurf

    sauber, aber generisch

  • Was du jedes Mal erklärst

    Farben, Schriften, Stil, Inhalt

  • Einrichtung

    keine

  • Deck, Flyer und Website

    sehen verschieden aus

  • Übergabe an Claude Code

    Stil muss neu beschrieben werden

Passt für: eine schnelle Einzelgrafik

Mit Designsystem

4/5 vorn

  • Erster Entwurf

    sofort in deiner Marke

  • Was du jedes Mal erklärst

    nur noch den Inhalt

  • Einrichtung

    einmal etwa 20 Minuten

  • Deck, Flyer und Website

    sehen aus wie aus einem Guss

  • Übergabe an Claude Code

    das System geht einfach mit

Passt für: alles, was nach dir aussehen soll

Warum Designsysteme gerade jetzt wichtig werden

Bessere Prompts skalieren nicht, besserer Kontext schon. Das war der Satz, um den Lukas den ganzen Abend gebaut hat. Anthropic beschreibt dasselbe Prinzip in eigenen Kundenbeispielen:

0

Prompts reichten bei Brilliant für die komplexesten Seiten, für die andere Tools mehr als 20 brauchten

Anthropic

0

Wege, ein Ergebnis weiterzugeben: PDF, PowerPoint, HTML, Canva und Claude Code

Anthropic

0 min

dauert es, bis ein Designsystem aus deinem Material generiert ist. Einmal.

AITI Umsetzungsworkshop

Bei Datadog ist laut Anthropic aus einer Woche Hin und Her zwischen Briefing, Mockup und Feedbackrunde ein einziges Gespräch geworden. Wie ernst die Branche das nimmt, zeigte sich schon vor dem Start: Anthropics Produktchef Mike Krieger trat wenige Tage vorher aus dem Aufsichtsgremium von Figma zurück.

Live-Demo: eine Pizzeria in drei Stunden

Lukas hat für die Demo eine Pizzeria erfunden, das „Tonda". Die erste Landingpage ohne Designsystem war ordentlich und völlig austauschbar. Dann hat er aus einem einzigen Pinterest-Screenshot ein Designsystem erzeugen lassen und dieselbe Seite noch einmal gebaut. So sieht das nachgestellt aus:

claude · ~/claude-design · tonda
Nachgestellte Sitzung in Claude Design, verkürzt

Im Chat kam prompt die Reaktion: „Der Pizza-Cursor ist Bombe." Spannender als der Gag ist aber, was dahinter passiert. Die Speisekarte hat Claude nicht noch einmal erklärt bekommen. Sie entstand im selben Projekt, mit demselben System und denselben Regeln.

So baust du dein eigenes Designsystem in sechs Schritten

Der Weg vom leeren Account zum ersten fertigen Asset ist in Claude Design immer gleich. Klick dich durch:

Der Ablauf an einem Abend

  1. Material hochladen
  2. Generieren lassen
  3. Prüfen und korrigieren
  4. Template anlegen
  5. Projekt starten
  6. Exportieren

Schritt 1 von 6

Unter Design System auf Create klicken und alles hochladen, was deine Marke ausmacht: Logos, CI-Handbuch als PDF, Screenshots, Website-Adresse oder sogar ein GitHub-Repository. Hast du keine Marke, reichen Screenshots von Pinterest, Mobbin oder Dribbble.

Drei Ebenen solltest du dabei auseinanderhalten, weil sie im Workshop am häufigsten verwechselt wurden: Das Designsystem gilt überall, das Template liegt im Designsystem, und das Projekt ist das konkrete Ergebnis. Was du im Projekt festlegst, gewinnt gegen das Template.

Was wir nicht wollen, ist, dass wir von Prompts abhängig sind.
Lukas Salchner· Host des Umsetzungsworkshops, Co-Founder & CTO bei thirdmind

Edit, Kommentar oder Chat?

Claude Design bietet drei Arten, etwas zu ändern, und jede hat ihren Platz. Lukas' Faustregel:

SituationWerkzeugBeispiel aus dem Workshop
Du weißt genau, wie es aussehen sollEditSchriftgröße auf 60 px, „0,5 l" statt „0,4 l"
Du weißt nur, dass etwas nicht passtKommentar am Element„Diese Spalte so breit wie die andere"
Es betrifft mehr als eine StelleChat„Alle Inhalte auf Deutsch, Icons für vegan und scharf"

Der Kommentar ist dabei unterschätzt. Schreibst du in den Chat „die soll 10 € kosten", muss Claude raten, welche Pizza gemeint ist. Als Kommentar direkt an der Pizza ist die Sache eindeutig.

Tweaks: das Bedienfeld, das Claude dir selbst baut

Der größte Aha-Moment des Abends hatte einen unscheinbaren Namen. Tweaks sind Schalter und Regler, die Claude passend zu deinem Projekt selbst erzeugt. Du bittest darum, und dein Dokument bekommt ein eigenes kleines Bedienfeld. Eine Teilnehmerin schrieb dazu: „Tweaks kannte ich noch gar nicht. Genial."

Sprache umschalten

Dieselbe Speisekarte auf Deutsch oder Englisch, mit einem Klick statt einem zweiten Dokument.

Dark Mode

Hell für den Druck, dunkel für den Bildschirm. Beides aus demselben System.

Hoch- oder Querformat

Das Layout ordnet sich neu, ohne dass du es neu beschreiben musst.

Entwurfslabel

Ein „Entwurf"-Stempel, den du vor dem Versand abschaltest.

Logo ein und aus

Praktisch, wenn ein Dokument mal mit, mal ohne Absender rausgeht.

Speaker Notes

Bei einer Präsentation als HTML ein Knopf, der deine Sprechernotizen einblendet.

8 Tipps aus dem Workshop

Die Grundlagen lernst du in einer halben Stunde. Was den Unterschied macht, sind die Kleinigkeiten, die erst nach ein paar Projekten auffallen. Hak ab, was du schon umsetzt:

8 Tipps zum Abhaken

Was den Unterschied macht

0/8
Logos in mehreren Größen, das CI-Handbuch, deine Website. Je mehr Claude beim Anlegen sieht, desto weniger musst du hinterher korrigieren.

Wann Claude Design und wann Claude Code?

Claude Design ist das richtige Werkzeug für alles Visuelle, das eher statisch bleibt: Präsentationen, Dokumente, Social-Media-Grafiken, One-Pager und Prototypen. Claude Code ist das richtige Werkzeug, wenn das Design nur ein Teil eines Softwareprojekts ist, etwa einer echten Website mit Formularen und Blog.

Das Schöne ist, dass du dich nicht entscheiden musst. Über „Send to Claude Code" wandert dein Designsystem mit, und dort entwirfst du mit dem Befehl /design weiter. Wie aus so einem Entwurf eine echte, eigene Website wird, zeigt unser Artikel zum Thema Website mit KI erstellen.

Die Werkzeuge im Überblick

Claude Design: Das Herzstück. Hier entstehen Designsystem, Templates und alle Projekte, gesteuert per Chat, Kommentar und Edit.

💡 Ehrlich gesagt: Claude Design ist noch eine Research Preview. Im Workshop gab es überlastete Server, Umlaute, die falsch dargestellt wurden, und SVG-Logos, die sich nicht hochladen ließen. Nimm dein Logo im Zweifel als PNG und plane etwas Geduld ein. Lukas' Rat dazu: „Wenn man im KI-Space ist, dann muss man leider sehr flexibel sein."

Fazit

Claude Design ist kein Ersatz für Designerinnen und Designer. Es ist ein Weg, deine Marke aus deinem Kopf in ein System zu holen, das jede KI-Ausgabe automatisch einhält. Der Unterschied zwischen generisch und gebrandet ist dabei kein besserer Prompt, sondern zwanzig Minuten, die du einmal investierst.

Fang mit dem an, was du schon hast. Lad dein Logo und deine Website hoch, lass das System generieren und bau als Erstes die Präsentation, die du ohnehin nächste Woche brauchst.

Wie kannst auch du diesen Use-Case konkret umsetzen?

We Present·Umsetzungsworkshop

Claude Design

mit Lukas Salchner

Aus deiner Marke wird ein System, das überall gilt. Du legst einmal dein Designsystem an und baust damit Folien, Landingpages und Dokumente, ohne deinen Stil je wieder erklären zu müssen.

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Mehr in unserer KI-Tool-Übersicht

Die vollständige AITI-Tool-Übersicht zeigt alle Tools, die wir aktuell empfehlen, mit Bewertung, Use-Case-Logik und Lernpfad. Zur Vertiefung: KI-Tools für Coding & No-Code.

Quellen

  1. [1]Anthropic. Introducing Claude Design by Anthropic Labshttps://www.anthropic.com/news/claude-design-anthropic-labs
  2. [2]TechCrunch. Anthropic launches Claude Design, a new product for creating quick visualshttps://techcrunch.com/2026/04/17/anthropic-launches-claude-design-a-new-product-for-creating-quick-visuals/
  3. [3]heise online. Anthropic introduces Claude Design: AI tool for prototypes and websiteshttps://www.heise.de/en/news/Anthropic-introduces-Claude-Design-AI-tool-for-prototypes-and-websites-11262955.html
  4. [4]TechCrunch. Anthropic CPO leaves Figma's board after reports he will offer a competing producthttps://techcrunch.com/2026/04/16/anthropic-cpo-leaves-figmas-board-after-reports-he-will-offer-a-competing-product/
Jenny Miller

Aus der Feder von

Jenny Miller

Content Lead

Jenny ist Content Lead beim AI Training Institute und schreibt über praktische AI-Anwendungen, Tools und Strategien für den Business-Alltag.